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Kultur-Tipp

Kultur in der Krise

Ein statistischer Blick auf die deutsche Kulturlandschaft

Auch die Bundesrepublik Deutschland ist durch die Corona-Pandemie in allen Lebensbereichen vor außergewöhnliche Aufgaben gestellt. 83 Millionen Menschen haben ihren Alltag umgestellt, haben die systemrelevanten Teile der Gesellschaft aufrechterhalten oder haben dem Lock-down folgend die Verbreitung des Virus begrenzt. Die politischen Gremien steuern mit zeitlich begrenzten Einschränkungen und mit finanziellen Erleichterungen, um die gesundheitlichen Gefahren abzuwehren und den wirtschaftlichen Absturz abzufedern. Im jüngsten Konjunktur- und Zukunftspaket der Bundesregierung mit einem Volumen von 130 Milliarden Euro sind eine Milliarde Euro zur Entwicklung der Kulturlandschaft vorgesehen.

Erhalten und gestärkt werden soll eine von anderen bewunderte Kulturlandschaft aus privatem und öffentlichem Engagement. Die Budgets der öffentlichen Kultureinrichtungen umfassen mit Einnahmen von 2,6 Mrd. € insgesamt 13 Mrd. €. Der Steueranteil beträgt 1,73 % des öffentlichen Gesamtetats; dazu haben die Haushalte der Gemeinden 45 %, der Länder 40 % und des Bundes 15 % beigetragen. Jeder private Haushalt gibt für Freizeit, Unterhaltung und Kultur 3.100 € aus. In der privaten Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten 1,7 Mio. Erwerbstätige; Soloselbstständige machen fast 60 % aller Selbstständigen in diesem Sektor aus. Die statistischen Ämter haben 1,3 Mio. Erwerbstätige in Kulturberufen gezählt, darunter 50 % Frauen; das entspricht 3 % des Arbeitsmarktes. Querverbindungen gibt es zum gesamten Bildungssektor als Arbeitsplatz bzw. Ort der Aus- und Weiterbildung. In der Künstlersozialkasse abgesichert sind – zusammen mit der Publizistik – knapp 190 Tsd. Selbstständige Künstlerinnen und Künstler.

So vielgestaltig wie das Kulturleben ist auch sein statistisches Spiegelbild. Die vorliegenden, zumeist gerundeten Daten sind den Jahresstatistiken zwischen 2015 und 2019 entnommen. Mit der Auffächerung dieser Durchschnittswerte erlauben die Quellen einen noch differenzierteren Einblick in die jeweiligen Bereiche. (jk)

Weiterlesen: Mitten drin Öffentliche Kulturförderung und kulturpolitische Diskurse in der Krise (PDF)

LINKS

Statistische Ämter des Bundes und der Länder Kulturindikatoren | kompakt, Ausgabe 2019. Wiesbaden 2019. 42 S.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder Kulturfinanzbericht 2018. Wiesbaden 2018. 110 S.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2019. Kurzfassung. Berlin 2019. 60 S.

Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann: Frauen und Männer im Kulturmarkt . Kurzfassung. Berlin 2020. 508 S. (Vorschau)

Deutschlandfunk Kultur: Mit 'Wumms' aus der Corona-Krise. Kann das Milliardenpaket des Bundes die Kultur retten? Moderation: Hans Dieter Heimendahl (WORTWECHSEL | Beitrag vom 12.06.2020)