Kultur-Tipp
Kultur in Zahlen 2025
Ein neuer Leitfaden zur Kulturstatistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Kunst und Kultur gehören zum Kern gesellschaftlicher Identität. Von der Bevölkerung und der Politik gleichermaßen werden von diesen Feldern positive Wirkungen erhofft, aber es werden mit diesen Angeboten ebenfalls Ansprüche verbunden. Die Spanne zwischen Freiraum und Verantwortung wird nicht nur in Deutschland – wie in einer Umfrage – als "zentraler Bestandteil einer funktionierenden Demokratie" (FR 4. April 2025) aufgefasst. Auch die Europäische Kommission zielt mit ihrer jüngsten Agenda auf den Schutz der Kultur vor der Bedrohung der künstlerischen Freiheit, der Beschränkung des Zugangs zu Kultur und vor den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Kultursektor, um sie als 'erste Verteidigungslinie' in Krisenzeiten zu erhalten.
Im öffentlichen Diskurs werden vor allem die Mängel der öffentlichen Förderung verhandelt. 2024 hat das Deutschlandradio eine umfangreiche Untersuchung zum Förderprogramm 'Neustart Kultur' vorgestellt, das die Defizite in der Corona-Pandemie ausgleichen sollte. Weitere Berichte in Rundfunk und Presse haben einzelne Sparten, Regionen oder Akteure beleuchtet. Beispiele kommunaler Träger, zur Freien Szene oder zu landesweiten Kürzungen in Berlin haben sich allgemein zum Bild einer prekären Kulturrepublik verdichtet. Dazu passt auch die Einschätzung zum Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, der im Entwurf als "in Prosa gegossenes Abrissprogramm für die Kultur" (FR 11. April 2025) beschrieben wird. Interessant ist dabei die Kritik an dem wirtschaftspolitischen Gestus des Entwurfs. Denn tatsächlich tragen einerseits die Finanzierung aus den öffentlichen Haushalten der Gebietskörperschaften, andererseits die Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft zum Gesamtbild der deutschen Kulturlandschaft bei.
Seit der Corona-Pandemie hat sich der zunehmend kritische Blick auf die vor allem staatlichen Förderungen zur Erhaltung von Kunst und Kultur erst in der letzten Zeit etwas aufgehellt. Im Februar 2026 hat der Kulturstaatsminister eine Verbesserung der Filmförderung verkündet. Schon im März 2025 hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Erholung der Kulturwirtschaft nach Corona mitgeteilt. Und im November 2025 hat die EU-Kommission ihren neuen 'Kulturkompass für Europa' (2025-2028) vorgestellt, der auch die Etablierung einer EU-Charta für Kulturschaffende vorsieht. In welchem übergreifenden Kontext diese einzelnen Nachrichten zu sehen sind, lässt sich auch mit einer sorgfältigen Interpretation der von den Verwaltungen bzw. Verbänden vorgelegten statistischen Daten herausarbeiten.
Wer die Informationen der Kulturstatistik nutzen möchte, wird die Maßnahmen der einzelnen Länder begrüßen, ihre Daten möglichst zeitnah, vollständig und leicht zugänglich zu präsentieren. In Deutschland ist ein 2007 von der Enquete-Kommission 'Kultur in Deutschland' empfohlenes Projekt als 'kontinuierliche bundesweite Kulturstatistik' inzwischen in die dritte Phase (2023-2027) getreten. Der Schwerpunkt liegt bei gleichbleibenden Formaten auf der Konsolidierung der Erhebung. Dagegen befassen sich Österreich und Schweiz mit der zeitgemäßen Präsentation ihrer Daten. Während Österreich mit der Kulturstatistik 2023 erstmals eine kostenfreie ePublikation vorlegt, macht die Schweiz ihre neuen Daten momentan direkt auf der Website zugänglich. Vorherrschend ist ein Mix aus unterschiedlichen digitalen Formen der Publikation. Aber nicht nur die Statistiken einzelner Länder belegen die neue Dynamik in der Praxis der Webpublikationen. Sie zeigt sich auch mit Blick auf die Europäische Union, die mit ihrer neuen Agenda auch einen 'EU Cultural Data Hub' und einen periodischen 'EU State of Culture Report' zur Unterstützung ihrer Zielsetzungen verspricht.
Eine neue, auf aliceblue.de veröffentlichte Übersicht zur Kulturstatistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in der Europäischen Union bietet einen aktuellen Zugang zu den vielseitigen Daten im Netz, die mit ihren Fakten den öffentlichen Diskurs um Kunst, Kultur und Medien versachlichen können. (jk)
Weiterlesen: KULTUR IN ZAHLEN 2025 | Leitfaden (PDF); Pressemitteilung Kulturstatistik März 2026 (PDF)