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Kultur-Tipp

Design trifft Zukunft.

Interdisziplinäre Konzepte für gesellschaftliche Entwicklungen

Wie sieht unsere Zukunft aus – global, national oder individuell? Wie gehen wir mit unserer Zukunft um? Lassen wir uns von unseren Ängsten beherrschen oder nehmen wir die Zukunft in die eigenen Hände? Unterstützung bei der Lösung dieser Fragen bieten ebenso Ratgeber wie Wissenschaft. Doch die Zukunftsforschung selbst ist umstritten. Unternehmensberatung und Soziologie melden Zweifel an. Im Rückblick lässt sich jedoch ein Wandel feststellen; ging es zunächst um Vorhersagen, werden inzwischen Zukunftsszenarien entworfen. Seit den Delphi-Studien in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat die deutsche Bundesregierung jedenfalls Programme der Zukunftsforschung finanziert. Auf 'Futur' um die Jahrtausendwende folgte 'Forsight' 2007 bis 2023. Mit dieser VORAUS:schau! soll der Umgang mit technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bis 2030 erleichtert werden. Am Beispiel der Forsight-Studie zur Weiterbildung FORWARD wird allerdings deutlich, dass sich aus den Einzelstudien kein allgemein handhabbares Ergebnis ableiten lässt. Und die mittelständischen Unternehmen als zentrale Akteure sind zwar an strategischer Vorausschau interessiert, wagen aber zu selten neue Wege.

Am 10. November 2025 hat Judith Block in der Reihe 'Montags Talk' der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main (HfG) mit einem Vortrag und anschließender Diskussion das Thema 'Zukünfte gestalten' beleuchtet. Als Absolventin der Hochschule arbeitet sie als Designtheoretikerin im Team des Future-Projects. Zunächst hat sie theoretische Grundlagen dieser Denkfabrik für Zukunftsforschung vorgestellt. Den Kern bildet in der Abfolge von These, Antithese und Synthese ein seit G. W. F. Hegel (1770 – 1831) bekanntes Entwicklungsprinzip. Dieser Gedanke wird auf die Analyse einer Fragestellung als Trend, Gegentrend und dazwischen liegender realer Entwicklung angewendet; dabei wird diese nicht mehr linear voraus/gedacht, sondern in 'loops' beschrieben. Während allgemein zu jedem Trendgeschehen ein Kipppunkt gehört, wird mit einer breiten Differenzierung der Krisenmuster und Transformationsebenen gearbeitet. Das wiederum bietet vielfältige Ansatzpunkte für mögliche künftige Szenarien, um die jeweilige Krise als Chance zu begreifen. Allgemein hat die Rednerin der Disziplin Design eine aktive Rolle empfohlen: Trends setzen statt Trends folgen ist ihre Devise. Das korrespondiert mit dem Selbstbewusstsein, das aus der HfG nach außen getragen wird: "Mit gutem Design können Mittelständler leicht und schnell wachsen." (Design-Professor Frank Georg Zebner / Markt & Mittelstand). Wenn es aber nicht so gut läuft, können mit der forschenden Begleitung die unterschiedlichen Dynamiken einer Krise produktiv gemacht werden.

Wenn der Trend der Zukunftsforschung sich weiter von der Voraussage zur Beratung verschiebt, könnte diese Expertise sich auch vermehrt auf politische Prozesse erstrecken. Die öffentlichen Diskurse über die Spaltung der Gesellschaft bzw. die Polarisierung in der Politik, die Konzentration auf eine gemeinsame 'Mitte' oder die Erwartungen an eine Beteiligung bei Wahlen und Volksentscheiden, in Bürgerräten und Parteien bieten in Verbindung mit den Sozialwissenschaften ein vielseitiges Betätigungsfeld. Eine solche Perspektive ist praktisch das Gegenstück einer schon seit einem Jahrzehnt laufenden Ausgestaltung der Designtheorie u.a. als Social Design: "Social Design ist ein partizipativer und transdisziplinärer Ansatz zur Gestaltung von Lösungen für komplexe gesellschaftliche und sozial-ökologische Herausforderungen – mit dem Ziel, sozial-ökologische Transformation hin zu besseren Zukünften anzustoßen und zu stärken." (Glossar / social design lab)

Bis zum Ende des Wintersemesters 2025/26 lädt die HfG im Februar 2026 noch zu zwei weiteren 'Montags Talks' in die HfG-Aula ein. (jk)